Eine Fotoausstellung von Sabine Wild
Die Berliner Künstlerin Sabine Wild interessiert sich in vielen ihrer Bilder für urbane Räume und Architekturen. Sie hat sich fotografisch mehrfach mit Architekturen von Gehegen als Bühnen beschäftigt, durch die den in ihnen eingeschlossenen Tieren eine Erzählung des Wilden verliehen wird. Entgegen der Erwartung, die der Titel erzeugt, bekommen wir aber kein Wild im Gehege zu sehen, sondern lediglich die künstliche Konstruktion von Lebensräumen, quasi durch den Menschen gestaltete Einrichtungen von Wohnorten für (Wild-)Tiere.
So gesehen können Zoos nur enttäuschen, wie John Berger in seinem Aufsatz „Warum sehen wir Tiere an?“ bemerkt. „Der öffentliche Zweck eines Zoos besteht darin, den Besuchern die Möglichkeit zu geben, Tiere anzusehen“, so Berger. Doch in den präsentierten Konstruktionen zeigt sich, besonders in Sabine Wilds von Tieren entleerten Fotografien, eher die menschliche Vorstellung eines angemessenen Lebensraums, der eben nur der Zur-Schau-Stellung dient und niemals einer gleichberechtigten Beziehung.
Eine zweite Serie zeigt vom Menschen angebotene Konstruktionen als Lebensraum für eine spezielle Art von Haustier. Die Gehege werden Teil der Wohnungen ihrer Halter*innen, wodurch nun die Gestaltung von Wohnräumen für Mensch und Tier gemeinsam in unseren beobachtenden Blick rückt.
Die Architektur der zum Betrachten inszenierten Räume und ihre auf Natur verweisenden Requisiten gelten also vor allem den menschlichen Betrachter*innen, die nun, durch die in der Ausstellung gezeigten Bilder, den ausschnitthaften und immer einseitigen Blick der Kamera übernehmen.
Vita Sabine Wild
1962 geb. in Padua, Italien
Studium der Germanistik, Linguistik und Spanisch in Münster, Köln und Berlin.
Seit 1985: lebt und arbeitet in Berlin
Seit 2003: freie Fotografie
2005: Gründungsmitglied der Produzentengalerie „Galerie en passant“ – seit 2016 „ep.contemporary“.
2007-2008: Ostkreuzschule für Fotografie bei Jonas Maron
2008: Fortbildung an der Freien Universität Berlin „Management im Kunstmarkt“
2009-2014: Jurymitglied Stiftung Kunstfonds, Bonn.
2008 bis heute: Initiatorin und Organisatorin des jährlich stattfindenden Atelierrundgangs Südwestpassage Kultour in Berlin Friedenau (suedwestpassage.com) und Gründungsmitglied, Vorstand des gleichnamigen Kunstvereins
Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.
Förderungen und Preise
2021: Stipendium Neustart Kultur von der Stiftung Kulturwerk für die Serie „Fotografie weben“
2020: Förderung von VG Bildkunst für "Offene Entwicklungsvorhaben der Berufsgruppe I“ für das Projekt „Habitate“
Artist in Residence
2019: April – Mai Artist in Residence, Arthotel in Chengdu, China
Ankäufe/Werkstandorte
Bosch, Bundesarchitektenkammer, Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Versorgungswerk der Architektenkammer NRW, GASAG Berlin, AOK. Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen